Die Illusion der Senkung der Spritsteuer
Eine Senkung der Spritsteuer klingt verlockend, doch die Realität sieht anders aus. Die Verbraucher werden wahrscheinlich wenig von dieser Maßnahme profitieren.
Ich sehe sie schon vor mir, die Scharen von Autofahrern, die freudig und erwartungsvoll an die Tankstelle fahren, überzeugt davon, dass eine Senkung der Spritsteuer gleichbedeutend mit einer spürbaren Entlastung an der Zapfsäule ist. Die Realität ist jedoch eine andere. Die Senkung der Spritsteuer wird kaum bei den Verbrauchern ankommen; das sind keine bloßen Worte, sondern eine nüchterne Analyse der Möglichkeiten und der Marktmechanismen.
Erstens müssen wir bedenken, dass Ölkonzerne und Tankstellenbetreiber nicht gerade dafür bekannt sind, an der Preisschraube für die Endverbraucher zu drehen, wenn sie nicht dazu gezwungen sind. Die Spritpreise sind ein komplexes Gefüge aus Rohölkosten, Steuern und Margen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die gesenkte Steuer tatsächlich zu einem merklichen Rückgang der Preise an der Tankstelle führt, ist denkbar gering. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass die Unternehmen die Gelegenheit nutzen, um ihre Gewinnmargen zu erhöhen, indem sie die Preisniveaus stabil halten. Es gibt einfach zu viele Anreize für die Branche, an den bestehenden Preisen festzuhalten.
Zudem gibt es das Phänomen der Preispsychologie. Selbst wenn die Steuer gesenkt wird und der Preis dank einer milden Marktreaktion sinkt, so wird der Verbraucher durch jahrelange Erfahrungen geprägt. Er wird auf den nächsten Preissprung gefasst sein und somit weniger geneigt sein, die vorübergehende Ersparnis tatsächlich zu genießen. Stattdessen wird man sich an das Gewohnte klammern und die Tankquittung mit dem bekannten, leicht resignierten Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen. Das Budget für Mobilität ist letztlich nicht unbedingt elastisch, auch nicht in Zeiten nachlassender Steuern.
Ein häufiges Gegenargument ist der Gedanke, dass wir als Gesellschaft einen klaren Bedarf an Mobilität haben und dass die gesenkte Spritsteuer zumindest einen zusätzlichen Anreiz zur Nutzung des Autos schaffen könnte. Aber das greift zu kurz. Denn wie bereits erwähnt, hat das Verhalten der Verbraucher oft weniger mit den praktischen Kosten als mit der Wahrnehmung von Werten und der Psychologie zu tun. Selbst wenn die Spritpreise sinken, bleibt der Druck der Inflation auf anderen Lebensbereichen bestehen. Die Menschen werden es schwer haben, ihre Geister über die Preissituation zu erheben, während sie gleichzeitig in einem gesättigten Markt gefangen sind, in dem die Kosten für Lebensmittel und Wohnen nicht weniger drückend sind.
In Anbetracht dieser Faktoren wird die Senkung der Spritsteuer wahrscheinlich eher als politische Geste wahrgenommen werden denn als tatsächliche Hilfe für die Verbraucher. Man kann nur hoffen, dass wir bald eine Zeit erleben werden, in der Maßnahmen tatsächlich dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden – bei den Menschen selbst und nicht bei den Profiten der Unternehmen.